VN-Naturschutzkonferenz 2008 in Bonn: Es geht um unsere Zukunft

Urwald, Quelle: dpa Bild vergrößern

   Vom 19. bis 30. Mai findet in Bonn die bisher größte VN-Konferenz auf deutschem Boden statt.
Zur VN-Naturschutzkonferenz werden aus aller Welt rund 5000 Vertreter von Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen und Beobachter aus der Wirtschaft an den Rhein kommen. Es geht um eines der großen Umweltthemen dieses Jahrhunderts: Den Erhalt der biologischen Vielfalt und die nachhaltige Nutzung dieser Ressourcen.

 

  Deutschland ist Gastgeberland bei diesem Forum im Kampf gegen die fortschreitende Vernichtung von lebenswichtiger Natur und das Artensterben. Federführend ist das Bundesumweltministerium. Auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden zu der knapp zweiwöchigen Konferenz am VN-Standort Bonn erwartet.

 

  Der offizielle Name der Konferenz lautet: 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Dieses Übereinkommen (Convention on Biological Diversity/CBD) wurde von der internationalen Staatengemeinschaft auf der Erdkonferenz von Rio de Janeiro 1992 beschlossen. Zusammen mit der Klimarahmenkonvention und der Wüstenkonvention gehört die CBD zu den drei völkerrechtlichen Abkommen von Rio, mit denen sich die Staaten zu einem globalen Umwelt- und Naturschutz verpflichteten.

 

  Neben den Klimaschutz, bei dem es bereits konkrete rechtsverbindliche Verpflichtungen gibt (Kyoto-Protokoll), gilt der Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) als zweite große globale Umweltherausforderung der nächsten Jahrzehnte. Die Vorgabe von Rio und dem Weltumweltgipfel von Johannesburg (2002) lautet, die Verlustrate an biologischer Vielfalt bis 2010 «signifikant zu reduzieren».

 

  Ebenso wie bei der Erderwärmung warnen Experten vor einer dramatischen und letztlich die Existenz des Lebens auf der Erde bedrohenden Entwicklung. Vor allem gehen immer mehr Wälder mit hoher Biovielfalt verloren. Auch die Ausbeutung der Meere schreitet immer weiter voran. Auf der Konferenz soll auch ein erster Teil einer internationalen Studie über die weltwirtschaftlichen Kosten der Naturzerstörung vorgestellt werden.

 

  Bei der biologischen Vielfalt stehen auch nationale und vielfältige wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Dabei geht es nicht nur um den Schutz, sondern auch um die Art der Nutzung sowie um den Zugang zu genetischen Informationen und den Ausgleich für Vorteile oder Profite aus diesem Zugang. Hierbei sollen auch die Rechte indigener Völker berücksichtigt werden. So soll etwa eine
«Bio-Piraterei» verhindert werden, indem etwa Heilkräuter eingesammelt und von westlichen Ländern zu Medikamenten genutzt werden, ohne dass die Bewohner der Ursprungsregionen daran fair beteiligt werden.

 

  Bonn wird die letzte große CBD-Konferenz vor dem Stichjahr 2010-Ziel sein und hat daher eine besonders Bedeutung. Bisher ist auf den Konferenzen nach Rio bei dem hochkomplexen Thema wenig erreicht worden. Anders als beim Klimaschutz ist noch kein internationales verbindliches Regelwerk greifbar. Deshalb mahnte auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dringlich Fortschritte an. «Die CBD steht am Scheideweg. Wir müssen in Bonn zeigen, dass es Bewegung und nicht nur Stillstand gibt.»

(dpa ba tl)

 

Internet:

www.cbd.int/cop9/
www.bmu.de/un-conference2008
www.bmu.de/un-naturschutzkonferenz2008
www.naturallianz.de

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